Gestaltungslehre für Spraykunst - am Beispiel meiner Kunst -

Als Gestaltungstheoretiker entwickelt Riedel von 2008 an, aufgrund der sprayspezifischen Besonderheiten weitwinklig zerstäubter Farben, eine eigenständige Gestaltungslehre für Spraykunst. Dabei gewinnt Riedel seine gestaltungstheoretischen Erkenntnisse aus seinem über 30-jährigem spraykünstlerischem Schaffen; fügt sich seine experimentell-chaotische Schaffensweise über die Jahre zu einer systematisierbaren Gestaltungslehre; analysiert er insbesondere sprayspezifische Kontrastlehren wie „scharf und unscharf“, und „opak und transluzent“; einwickelt er eine eigenständige Systematik für gesprayte, insbesondere aus weitwinkligen Zerstäubung entstehende Elementarformen.
 

Kontraste, Elementarformen und weitere Gestalttypen

Riedel bezieht sich in seinem Schaffen auf die bildnerischen Kontrastlehren und Elementarformen, deren sprayspezifischen Qualitäten, insbesondere mit der Spraydose als Instrument und Sprays als Farbmedium in der Entwicklung einer Gestaltungslehre für „Moderne“ Spraykunst münden. Dabei fließen u. a. ausgewählte Aspekte der „Gestaltungs- und Formenlehre“ von Johannes Itten und der „Analyse der malerischen Elemente“ von Wassily Kandinsky ein. So bringt das Arbeiten mit Sprays, Spraydose und Caps bildnerische Besonderheiten und Optionen mit sich, die sich Riedel in der spraytechnischen Interpretation der Kontrastlehren und der Formenlehre, insbesondere bezüglich der Elementarformen und weiterer Gestalttypen zu eigen macht.

Bedingt durch die wesensimmanente Zerstäubung von Farbe in kleinste mit dem bloßen Auge kaum sichtbaren Partikel bzw. Punkte; bedingt durch die Optionen, die der Sprühnebel mit seinen angehäuften Partikeln bietet, arbeitet Riedel neben klassischen Kontrasten wie „groß-klein“, „dick-dünn“ „hoch-niedrig“, „brei-schmal“ und „hell-dunkel“, insbesondere mit sprayspezifischen Kontrasten wie „hart-weich“ bzw. „scharf-unscharf, „leicht(federleicht)-schwer“, „gebunden-schwerelos“ und „durchsichtig-undurchsichtig“ bzw. „transparent-transluzent-opak“. Auch und gerade macht sich Riedel die sprayspezifischen Potenziale in der Arbeit mit Elementarformen und Spezialformen zu eigen. Zu nennen sind hier Punkt und kleiner Kreis, Oval, Linie und Stich, Fleck, Farbfeld und die zumindest einseitig hartkantig abgegrenzte Flächenform. In der Regel sprayt Riedel seine Arbeiten in der malerischen Fokussierung auf eine Elementarform bzw. in der spraykünstlerischen Auseinandersetzung mit einer Elementarform. Mitunter fließen auch mehrere Elementarformen, so z. B. in seinen Strich-Punkt-Gesichtern und manchen Malunterlagen (englisch: Painting Underlayments“ und Sprühbildproben (englisch: „Spray Pattern Proofs“) in seine Bildfindungen ein. Nicht zuletzt arbeitet Riedel ab und an auch weiteren Gestalttypen. Gemeint ist hier zum einen die „Farbspur“ und zum anderen die „Hybride Form“, als ein sich zwischen den Elementformen befindlicher bzw. diese vereinender Typus.
 

Der zerstäubte Punkt als Grundform

Der Punkt (englisch: Point) schon nach Wassily Kandisnky und seiner 1926 erschienenen Publikation „Punkt, Linie zu Fläche“ ist in der Zeichnung und Malerei die kleinste und grundlegendste Elementarform und damit Grundform. Aus ihm als Urform lässt sich, praktisch oder theoretisch gedacht, dicht aneinander gereiht alles andere formen bzw. gestalten. Dies gilt auch und insbesondere in der Spraykunst; lassen sich doch die durch die Zerstäubung von Farbe entstehenden, mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmbaren Farbpartikel als kleinste Punkte verstehen: kleinste Punkte, die sich dicht bis extrem dicht angehäuft zu allen anderen Gestalten formieren lassen; kleinste aneinander gehäufte Spraypunkte, die sich mal als mehr oder weniger gut sichtbarer Sprühnebel, wie auch als opake oder transluzente Farbareale manifestieren.
 

Punkt und kleiner Kreis

Der Punkt (englisch: Point) ist in der Zeichnung und Malerei die kleinste und grundlegendste Elementarform. Aus ihm lässt sich, praktisch oder theoretisch gedacht, dicht aneinander gereiht alles andere formen bzw. gestalten. Dies gilt auch und insbesondere in der Spraykunst; lassen sich doch die durch die Zerstäubung von Farbe entstehenden, mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmbaren Farbpartikel als kleinste Punkte verstehen: kleinste Punkte, die sich dicht bis extrem dicht angehäuft zu allen anderen Gestalten formieren lassen; kleinste aneinander gehäufte Spraypunkte, die sich mal als mehr oder weniger gut sichtbarer Sprühnebel, wie auch als opake oder transluzente Farbareale manifestieren. Analog zu Johannes Itten und Wassily Kandinsky und ihren Überlegungen zur Gestaltungs- und insbesondere Formenlehre, begreift auch Riedel den Punkt nicht nur als extremst kleine, z. B. mit einer Stift- oder Pinselspitze skizzierte oder gemalte Elementarform, sondern auch als größeres, sich in der Fläche kreisförmig ausdehnendes Areal; kolorierte Areale, die sich auch als Kreise (englisch: circles) begreifen und titulieren lassen. Anders als Kandinsky versteht Riedel den Punkt ausschließlich als kreisförmige, zumindest aber nahezu kreisförmige Gestalt. Dabei lassen sich mit der Spraydose, bedingt durch breitere Sprühbild der Caps (Sprühaufsätze), selbst bei nur einmaligen kurzem Sprühstoß keine extrem kleinen, sondern nur (etwas) größere Punkte freihändig sprayen; lassen sich diese in der freihändigen Spraytechnik entstehenden Punkte auch als kleine Kreise, als kreisrunde Farbareale bzw. Farbfelder verstehen. Auch lassen sich Punkte bzw. Kreise freihändig gesprayt, beispielsweise bedingt durch den Wind oder kleinste Verstopfungen des Caps, nicht immer 100% exakt kreisrund sprayen. In diesem Gesamtkontext eingebettet generiert Riedel seine Spraypunkte auf manigfaltige Weise in unterschiedlichsten Gestalten; ob kaum sichtbar oder gut sichtbar; ob extrem klein, klein oder groß; ob scharf oder unscharf; ob mit oder ohne Farbnasen; ob aufgetropt, mit Lochpappe (bzw. Lochmaske) als Auflage oder freihändig gesprayt. Exempel finden sich z. B. in den Werkreihen „Soft-Point-Paintings“ (2007), „Drips are not bad“ (2009), „Homage to Jonathan Monk“ (2015), „Hard, and/or soft and/or semi-soft sprayed Circles and Points“ (2015) „Cosmic Imageries“ (2016), „Two Points (Circles) as Eyes“ (2017) und „Freehand Sprayed (Points and) Circles“ (2017).
 

Oval

Analog zum Punkt sieht Riedel auch das (extrem) kleine Oval als eigenständige, für sich stehende Elementarform. Zu diesem sehr kleinen, mit einem Sprühstoß entstehenden, mit leicht schrägen Winkel zum Bildträger gesprayten Oval gelangt Riedel bereits 1983 in seinem ersten als „Der spraykünstlerische Anfang“ tituliertem Gemälde. Eher zufällig sprayt er in diesem Bild zwei sehr kleine Ovale, die Riedel als Augen für sein imaginäres, extrem reduziertes Selbstportrait dienen. Obgleich dieser Entwicklungsschritt vom Spraypunkt hin zum freihändig gesprayten Oval als eigenständiger Elementarform auf den ersten Blick sehr einfach, naheliegend und klein erscheint, ist er in Wahrheit, sowohl für Riedel als Künstler, wie auch für die gesamte Spraykunst von elementarer Bedeutung; kennt Riedel doch trotz seiner mehrjährigen, sehr umfangreichen spraykunsthistorischen und spraykunsttheoretischen Analyse nur einen Künstler, undzwar den US-Amerikaner Michael Venezia, der vor ihm in den frühen 1970er Jahren mit der Spraypistole freihändig Ovale als quasi Lichtkegel sprayt. Zum kleinformatigen als eingenständige Elementarform fungierenden, sich zunächst noch komplett abzeichnenden und im sehr kleinen Winkel zum Werkträger gesprayten Oval kommt Riedel erstmals 2007 in der Werkreihe „Hard and semi-soft sprayed Points (Circles) and Ovals“. Einen weiteren kleinformatigen Ovaltypus entwickelt Riedel 2016, in dem er die Spraydose nicht mehr, wie beim Sprayen von Punkten und Ovalen frontal zum Werkträger im 90-Grad-Winkel hält, sondern diese seitlich, mithin extrem neigt und im schrägen bis sehr schrägen, sehr kleinen und spitzen Winkel zum Werkträger, im zumindest teilweisen bis kompletten Verzicht der bildnerischen Kontrolle, einsetzt. So bricht Riedel mit diesen gesprayten Ovalen mit dem tradierten und konventionellen Einsatz des Sprayinstrumentes und bricht zu neuen bildnerischen Ufern auf. Dabei zeichnen sich diese Ovale im Wesen der Spraytechnik und der Sprühaufsätze begründet, zur einen, nahen Seite hin etwas härter, schärfer und damit klarer und zur anderen, etwas weiter entfernten Seite hin, einerseits leicht unscharf aber dennoch gut sichtbar ab und andererseits sich auch deutlich im Nichts des Sprühnebels verlierend weich, diffus und unscharf ab; tituliert Riedel diese sich zu einen Seite eher scharf und zur anderen Seite sich im Nichts verlierenden Ovale als „Semi-soft Ovals“; verwendet Riedel diesen Begriff, anders als z. B. bei seinen gesprayten Kreisen jetzt auch zudem in einem anderen Kontext, undzwar nicht für in Gänze weder scharfe noch unscharfe, noch nur ein wenig vom Sprühnebel umgebene Gestalten. Daneben tituliert Riedel die freihändig gesprayten, sich sehr gut sichtbar abzeichnenden und dennoch von mehr oder weniger Sprühnebel getragenen, also nicht zwingender Weise hartkantig konturierten Ovale, als von ihm so benannte „Closed Ovals“. Die sich zu einer Seite im Nichts verlierenden und damit in ihrer Kontur offenen Gebilde bezeichnet Riedel, auch wenn die Ovale in manchen Fällen nur noch erahnbar bzw. als solche deutbar sind, als so genannte „Open Ovals“. Auch geht Riedel in der ihm eigenen experimentellen Manier soweit, dass er selbst seine nur noch zur Hälfte sichtbar gesprayten ovalförmigen Gestalten als, wenn auch „Offene“, Ovale begreift und als solche tituliert. Über diese beiden von Riedel gesprayten Gestalttypen hinaus legt Riedel viele seiner gesprayten Ovale zudem im Grenzbereich „Offener“ und „Geschlossener“ Ovale an; tendieren manche ovalförmigen Gebilde eher zu „Offenen“, viele hingegen zu eher „Geschlossenen“ Ovalen; tituliert und typisiert er letztere, als gut erkennbare bzw. erschließbare Gestalten mit dem Begriff „Nearly closed Ovals“. In diesem Zusammenhang kommt in Riedels Schaffen den gesprayten Ovalen als eigenständiger (spray)bildnerischer Elementarform und eigenständigem Kompositionselement eine ganz eigene Optik, ein ganz eigener bildnerischer Reiz und eine ganz eigene gestalterische und teils auch imaginäre bzw. surreale Qualität zu. Exempel für die Arbeit mit gesprayten Ovalen finden sich z. B. in den Werkreihen “From freehand sprayed points (circles) to freehand sprayed open, nearly closed and closed, soft and semi-soft ovals (ellipses)“, „Freehand sprayed open, nearly closed and closed, semi-soft ovals as logo designs for the Modern Spray Art“, „Sprayed rasterized Dots over Colour Fields or Strokes and under freehand sprayed open, nearly closed and closed, semi-soft Ovals“, „Freehand sprayed open and semi-soft Ovals in combination with freehand sprayed hard and semi-soft Points (Circles) “ und „Sprayed Cosmic Imageries“.
 

Linie und Strich

Die Linie (englisch: line) spielt in Riedels Werk als bildnerische Elementarform eine in vielfältiger Weise zentrale und tragende Rolle. Dabei versteht Riedel, wie Johannes Itten und Wassily Kandinsky in ihren Überlegungen zur Gestaltungs- und insbesondere Formenlehre, die Linie nicht nur als extremst dünne, mal kürzere und mal längere, mal mit dem Stift oder einem extrem dünnen Pinsel gestaltete, sondern auch und gerade als breiter skizzierte oder gemalte Elementarform; wählt Riedel für breiter werdende Linien analog zum Terminus „Pinselstrich“ auch den Begriff „Strich“ (englisch: stroke oder dash); begreift Riedel derartige Linien auch als Striche bzw. als Elementarform „Strich“; mutiert der extrem breite freihändig und insbesondere diffus gesprayte Strich hin zum Farbfeld; sind die Grenzen zwischen fett gespraytem Strich und dem gesprayten Farbfeld fließend. Erwähnt sei an dieser Stelle auch, dass sich extrem schmale Linien in der Kunst mit der Spraydose, bedingt durch die Mindestgröße der Caps (Sprühaufsätze) - selbst mit einem Skinny-Cap - freihändig nicht sprayen lassen; dass in diesem Fall die Spraylinie immer auch ein Spraystrich ist. Dabei gleicht keine mit der Spraydose gemalte Linie der anderen; ist kein Strich wie der andere; ermöglicht es die Spraydose wie kein anderes malerisches Medium jedem, insbesondere freihändig gesprayten Strich eine ganz eigene Optik vom mehr oder weniger gut sichtbaren Sprühnebel umgebene, mithin auch transluzente Optik zu verleihen; eine Optik, in der sich Neigung und Abstand der Spraydose zum Werkträger; ebenso wie Gestik; Duktus und Tempo auf unmittelbarste, nicht wiederholbare und damit einzigartige Weise im Sprühbild der Linien bzw. Striche manifestieren. Ob u. a. primär abstrakt oder gelegentlich figurativ eingesetzt, ob freihändig gesprayt und mitunter zum Farbfeld tendierend oder einseitig mit einer Auflage hart abgegrenzt, ob simple oder komplex, dick oder dünn; ob gerade, ungerade, eckig, zackig oder kurvig; ob X-, gitter-, kreis-, schlaufen- bzw. schleifen- oder spiralförmig: ob kurz, lang oder sehr lang, ob in einer Linie oder mit mehreren Linien; ob mit oder ohne Drips (Tropfen); ob scharf, leicht unscharf oder diffus; ob flach oder plastisch anmutend oder in die Tiefe des Raumes weisend, Riedel nutzt die Linie bzw. den Strich und deren bzw. dessen Optik in vielfältigster Weise. Exempel finden sich zunächst z. B. in seinen „Neo-Expressive Abstractions, with Points (Circles), Lines and diverse Colour Traces“ (1989), „Neo-expressiv Grids“ (ab 1993), „Open Geometries“ (2006) und „Sprayed Stick Figures as Stick Men“ (ab 2007). Daneben fokussiert sich Riedel insbesondere im Jahr 2015 in mannigfaltiger Weise auf die bildnerischen Optionen gesprayter Linie. So sprayt Riedel zunächst seine aus zwei sich kreuzenden Linien gesprayten „X-Paintings“; lehnt sich Riedel an den US-Amerikaner Dan Christensen der seine Bilder u. a. mal mit kreisförmigen, mal auch mit spiralförmig gesprayten Lineaturen malt, in einer eigenen Werkserie an dessen, insbesondere von gerundeten Linien getragene kreisförmige Bildsprache an; widmet sich auch Riedel einer mal simplen, mal etwas komplexeren Bildsprache, formt auch er seine farbstarken, raumöffnenden Bilder aus neben-, in- und übereinander gesprayten kreisförmigen Linien. Daneben sprüht Riedel eine Reihe von Werken, die an manche gesprayten Arbeiten der Schweizerin Renée Levi anknüpfen und sich windende, schlängelnde, schleifen- und schlaufenartige Lineaturen als tragendes bildnerisches Element thematisieren. Auch entsteht in Anlehnung an weitere Künstler, wie die Amerikaner Kenny Scharf und Christopher Wool eine Reihe von Arbeiten, deren Erscheinungsbild sich gleichfalls aus an-, in- und miteinander, aus der Hand gesprayten Lineaturen speist, die sich zwischen Schleifen bzw. Schlaufen, Spiralen und Ellipsen bewegen und sich als All-Over-Komposition über den gesamten Bildträger ausbreiten. Über dies hinaus sprayt Riedel noch in 2015 weitere sich auf die freihändig gesprayte Linie fokussierende Werkreihen; so z. B. die als Homage an Bernard Frize angelegte Werkreihe „Sprayed fat and cornered lines“, so z. B. die Werkreihen „Sprayed thinn vertical and horizontal lines“ (2015) und „Sprayed fat circular lines respectively rings“ (2015); führt Riedel nicht zuletzt die Werkreihe „Sprayed Stick Figures as Stick Men“ mit vielen Arbeiten fort. Auch 2016 arbeitet Riedel mit der gesprayten Linie als alleinigem bildnerischen Ausdrucksmittel; entstehen im Kontext von „Bad and Nice“, Simple and Complex“ und „Finished and Provisional“ u. a. die Werkreihen „Homage to Davina Semo and her Sprayed Paintings, „Homage to Adam Cullen and his linear sprayed Paintings“, „Linear Sprayed Geometries and Symbols“, Homage to Peter Soriano and his Sprayed Art“. Daneben sprayt Riedel Werkreihen, in der die Linien in einem anderen bildnerischen Kontext stehen; so z. B. die Werkreihe „Simple and soft sprayed horizontal or vertikal Lines“ (2016), in deren Arbeiten es Riedel auf die besondere Schwebekraft seiner gesprayten Linien ankommt; so z. B. die Werkreihe „Homage to Dalibor Chatrný an his sprayed Works“, in deren Werken Riedel nur ein, zwei oder drei schwarze Spraystriche in den leeren Bildgrund stellt; so z. B. in der Werkreihen „Three freehand sprayed coloured lines“ und „Freehand sprayed overlapped and crossed lines“, in deren abstrakten Arbeiten es Riedel auf die bildnerische Kraft freihändig gesprayte mal nebeneinander, mal auch übereinander gestellter, simpel gehaltener Lineaturen ankommt. Nicht zuletzt ist da die Werkreihe „Freehand sprayed pure spirals“, in deren Gemälden sich ausschließlich auf simple aus der Hand gesprayte, in-, neben- und übereinander platzierte Spiralen fokussiert. 2017 greift Riedel die Linie als bilnderische Elementarform auf und sprayt Werkreihen wie „Vertical Lines as Simple Paintings“ und „Open Geometries with rectangular Sprayedges“. 2018 fokussiert sich Riedel zunächst in den Werkreihen „Homage to Keith Haring with his sometimes sprayed Stick Figures“ und „Radically simplified sprayed Stick Figures in the tradition and manner of Neo-Expressionism and (Early)Childlike seeming Figurations - as a special style of the artist -“ auf weitere mit freihändig gesprayten Strichen gemalte, in ihrem Typus jeweils ganz eigene Strichfiguren. Auch in der Werkreihe „Neo Punk Paintings“ setzt Riedel bringt Riedel freihändig gesprayte, diesmal fette und tropfende Linien, teils rein abstrakt, teils symbolisch aufgeladen, in der Tradition des Punkt und Neo-Expressionismus stehend, als zeitgenössischen Beitrag zur wild und heftig anmutenden bildnerischen Entfaltung.
 

Fleck

Der Fleck (englisch: stain; französisch: tâche) als scharf abgegrenzte, sich unstet ausbreitende, sich in den Konturen biomorph und/oder amorph abzeichnende Elementarform, spielt für Riedel in manchen Arbeiten, so z. B. in seinen an den europäischen Informel und den (US-amerikanischen) Abstrakten Expressionismus anknüpfenden, sich u. a. an den Tachismus und Stain-Paintings anlehnenden Werken die zentrale, also tragende bildnerische Rolle. Um Flecken bzw. Kleckse mit spraytechnischen Mitteln abbilden zu können, entwickelt Riedel bereits 1988 die „Nass-in-Trocken-Tupftechnik“ als eine Spielart der Décalcomanie bzw. Abklatschtechnik und 2007 die „Nass-in-Nass-Tupftechnik“ als weitere Abklatschtechnik. Farbspritzer generiert Riedel u. a. mit fasst leeren oder defekten, leicht verstopften Spraydosen. Exempel finden sich in seinen als „Tachistic Abstractions - Stains in combination with Colour Fields“ titulierten Abstraktionen aus dem Jahr 1988, wie auch zum Beispiel in seinen späteren, insbesondere 2003 und ab 2007 entstehenden, als „Pure Tachistic Abstractions - Stain Paintings“ titulierten Arbeiten bis hin zu Gemälden mit dem Titel „Ultra komplexe tachistische Abstraktion“ aus dem Jahr 2016.
 

Farbfeld

Auch sind Riedels Bilder häufig geprägt, durch die spraybildnerische Fokussierung auf Farbfelder (englisch: Colour Fields; amerikanisch Color Fields), die sich in Riedels spraytechnischem Verständnis, als zumeist sehr nebulöse oder leicht diffuse, mehr oder weniger weich konturierte, sich mehr oder weniger stark im Nichts verlierende und stetig ausbreitende Flächenformen (i.w.S.) verstehen lassen. Ob als amorphes Farbfeld z. B. in der Tradition von Jules Olitsky und Albrecht Stadler stehendes Farbfeld (ab 1897); ob als kreisförmiges Farbfeld (insbesondere ab 2002); ob als in der Tradition von Mark Rothko stehendes, wie in seinem Fall zur Geometrie tendierendes mehr oder weniger unscharfes Farbfeld (ab 2008); ob als biomorphes, z. B. zum Oval tendierendes Farbfeld (ab 2002); ob opak oder transluzent, ob flach oder tief anmutend; ob als schwebende, auch zu Farbspuren tendierende Farbwolke oder Farbschleier; ob als sogenanntes „Dripped Colour Field“, bedingt durch die nahezu senkrechte Aufstellung des Werkträgers, ins Tropfen geratenes Farbfeld; ob als von Riedel so benanntes „Farbfließfeld“ (englisch: Colour Flow Field), also durch die gezielte Bewegung des Werkträgers ins Fließen geratenes Farbfeld; ob sich beim Ineinanderfließen, als von Riedel sogenanntes „Farbfusionsfeld“ (englisch: Colour Fusion Field) u. a. durch die bewusste Bewegung des Werkträgers miteinander vermischende Farbe; ob als von Riedel so titulierte „Plastische (Skulpturale) Farbfelder“ (englisch: Plastic (Sculptural) Colour Fields), als sich in das Styropor fressende, plastische Leerstellen formende Spraylacke, ob z. B. mit lyrisch-expressivem, surrealem und/oder psychedelischem Touch; ob z. B. an Kreise, Dreiecke, Rechtecke, Bänder oder Streifen erinnernd oder aber amorph geformt; Riedels Umgang mit gesprayten Farbfeldern ist mannigfaltig. Ausdrucksstarke Beispiele finden sich u. a. in seinen Kompositionen aus den Werkreihen „Flow Field and Colour Fusion Field Abstractions“ (ab 1986), „Spheric and psychedelic, nebulous and diffuse sprayed, amorphous Colour Field Paintings “ (ab 1987), „Spheric, nebulous and diffuse sprayed, (in the tendency) geometric Colour Field Paintings“ (ab 1998), „Slightly nebulous and diffuse sprayed, geometric Colour Field Paintings“ (ab 1999), „Spheric, nebulous and diffuse sprayed, geometric Plastic (Sculptural) Colour Fields“ (2002), „Soft sprayed Stripes as spheric, nebulous and diffuse sprayed, in the tendency geometric Colour Field Paintings (ab 2007), „Spheric, nebulous and diffuse sprayed, geometric Colour Field Paintings in the traditional manner of Mark Rothko“ (ab 2008), „Dirty Colour Field Paintings“ (2015), „Spheric and psychedelic, nebulous and diffuse sprayed, amorphous Colour Field Paintings as Homage to Jules Olitski“ (2015), „Slightly nebulous and diffuse sprayed, dripped geometric Colour Field Paintings“ (2016), „Slightly diffuse (and hard-edged), vertical sprayed and dripped, amorphous Colour Fields (respectively Colour Flow Fields) as Colour Field Paintings - also namend as „Flow Field Abstractions“ -“ (2016), Slightly diffuse (and hard-edged), vertical sprayed and dripped, between amorphous and biomporhous Colour Fields (respectively Colour Flow Fields) as Colour Field Paintings - also namend as „Flow Field Abstractions“ -“ (2016), „Margin Paintings with diffuse and nebolous sprayed Colour Fields“ (2017) und „Slightly diffuse and nebulous, vertical sprayed, corrugated and dripped amorphous Colour Fields (respectively Colour Flow Fields) as Colour Field Paintings - also namend as „Flow Field Abstractions“ - „ (2017).
 

Flächenform (im engen Sinne)

Riedel fokussiert sich in seinen Bildfindungen seit 2002 auch und gerade auf Flächenformen (i.e.S.) (englisch: shape), d. h. auf sich stetig ausbreitende Formen, die von klaren, zu einer Seite hin hart abgegrenzten Konturen, zunächst vom Einsatz selbst zugeschnittener Schablonen und neuerdings auch vorgefundener Auflagen getragen werden. Hier reicht die Bandbreite an gesprayten Flächenformen von rein abstrakten, über stark abstrahierte bis hin zu figurativen Formen, die u. a. Menschen oder den Künstler im Selbstportrait darstellen; reicht das Spektrum von der Entwicklung eines geometrischen Druckbuchstaben-ABC (2006) bis hin zur Fokussierung auf Zahlen (2017) als alleiniges Sujet und Gerne: widmet sich Riedel der streng geometrischen (ab 2003), organische, weich und rund geschwungenen (ab 2002) und biomorph weich, rund und gezackten (ab 2003) Formensprache; reicht das Spektrum seinen Schaffens von Positiv- bis zu Negativformen; von nach Innen oder Außen hartkantig abgrenzten Konturen; von durchsichtigen bis hin zu undurchsichtigen (opaken) Formen; von „sphärischen“, im Raum schwebenden, bis hin zu schweren, fest verankerten Formen. Anders als in der herkömmlichen Kunst und insbesondere Spraykunst üblich, koloriert Riedel die mit Negativschablonen erzielten Positivformen bevorzugt nicht opak. Vielmehr bildet er meist nur die Konturen hauchdünn ab und lässt dem nach Innen fliegenden Sprühnebel damit seinen Raum. Auf diese Weise gelingen ihm Konstruktionen voller Transparenz und Leichtigkeit, die in ihrer Anmutung weder flächig noch plastisch sind, sondern richtig angeordnet im freien Raum scheinbar schweben; Konstruktionen, die zudem von zarten farblichen, teils durchschimmernden Überlagerungen getragen werden. Ein frühes Exempel für seine Arbeit mit Flächenformen ist das Werk „Geometrischer Prototyp“ aus dem Jahr 1992. Andere Werkreihen. in denen insbesondere Sprayschablonen zur Gestaltung von Flächenformen zum Einsatz kommen sind „Between surreally and imaginarily charged Organic Abstractions and pure abstract Organic Art - with smooth (soft) and round(ed) shapes -“ (ab 2002), „ Geometric Abstractions“ (ab 2003) „Organic Abstractions - respectively Organic Abstract Art - with rounded and at the same time spiky and jagged shapes“ (ab 2003) und „Free, surreally, symbolically and imaginarily charged Abstractions - with smooth rounded, straight, spiky and jagged shapes (areas)“ (2005). Figurative, Menschen in verschiedenen Posen darstellende Flächenformen, finden sich in der mit Sprayschablonen gestalteten Werkreihe „Homage to Jérôme Mesnager“ (2015). Selbstporträts, die Riedel in der Profilansicht hält, generiert Riedel mal mit Hilfe einer Scheerenschnitt-Schablone (ab 2015) und seit 2016 erstmals mit an sich abstrakt-geometrischen Formelementen, mit deren Hilfe er sich im Stile des figurativen Suprematismus bzw. Konstruktivismus im Seitenprofil selbst abbildet. Auch stellt sich Riedel im Profil, mit einer weich, aus der Hand geschwungenen, Positiv und Negativ vereinenden Schablone in doppelter Frontal- und Profilansicht dar.

Neben der jeweiligen Arbeit mit einer Elementarform, neben der jeweiligen spraybildnerischen Fokussierung auf eine Elementarform, neben der Konzentration auf die Gestaltungs- und Ausdruckskraft jeweils einer Elementarform, fließen in den Arbeiten mancher Werkreihen auch mehrere mehrere Elementarformen ein. Exempel sind hier Werkreihen wie “Faces and especially Selfportraits as Simple und Spheric Paintings“ (ab 1983), “Neo-Expressive Abstractions, with Points, Lines and Colour traces“ (1989), “Dash-Dot-Faces“ (ab 2008), “Geometric Colour-Fields with Points - Childlike naive Compositions“ (2004), “Sprayed Dots and simple Lines“ (2016), “Sprayed simple Lines and geometric Colour Fields - between bad and nice...“ (2016), “Soft sprayed Ovals and (soft) sprayed Points“, “Cosmic Pictureworlds“ (2016), „Pure Neo-Expressive Abstractions - Stains in Colour Fields“(2017), „Extreme reduced Simple Paintings“ (2017).

Über diese bisher erwähnten, in Riedels spraytechnischem Verständnis klar abgegrenzten Elementarformen hinaus; neben ihrem Einsatz, ihrer Gestalt und ihrem Zurgeltungkommen in Reinform, finden sich in Riedels Werken mitunter auch Sprays, die sich bildnerisch, ganz bewusst zwischen den Elementarformen bewegen und mit den Zwischenräumen gezielt spielen. Ein Exempel ist hier die 2016 entstehende Werkreihe “Fat sprayed and dripped linear Elements“ in der Riedel mit fett gesprayten, zu Farbfeldern, insbesondere zu Fließfeldern tendierenden Linien bzw. Strichen arbeitet.
 

Farbspur und hybride Formen als weitere Gestalttypen

Auch arbeitet Riedel in der ihm eigenen primär abstrakten Manier selten aber doch mit der sogenannten „Farbspur“ (engl. u. a: colour traces und marks) und mit der von ihm so benannten „Hybriden Form„ (engl.: Hybrid Shape), im Sinne nicht eindeutiger und miteinander verschmelzender Elementarformen. Dabei stellen beide Termini für Riedel zunächst den Versuch dar, sich zwischen den vorab beschriebenen Elementarformen befindliche bildnerische Erscheinungsformen zu typisieren bzw. ihnen einen eigenen Namen zu geben. So kommen in manchen Werken, ob in Reinform oder in der Kombination mit Elementarformen gesprayte Farbspuren und hybride Formen zur bildnerischen Entfaltung. Dabei handelt es sich bei der Farbspur in Riedels Interpretation zum einen um freihändig gesprayte, gestische Setzungen, die sich in sichtbar werdenden Farbarealen manifestieren; geht es Riedel um dem sich, im Wesen der Spraykunst begründenden, im Sprühbild auf unmittelbarste und extrem sensible Weise - getragen vom dreidimensionalen Malprozess - manifestierenden Gestus und um die Fokussierung auf eben diesen; geht es Riedel um Farbgebilde, wie z. B. gesprayte Farbsprenkel und um wild und heftig anmutende, zum Teil in neo-expressiver Manier, zum Teil in bester Action Painting-Manier gehaltener Farbspuren; handelt es sich bei diesen Farbgebilden für Riedel um Spuren des eigenen Seins; um Markierungen, die sich in der künstlerischen Aneignung des Werkträgers manifestieren. Daneben geht es Riedel in seinen von Farbspuren bzw. Farbarealen getragenen Bildsprachen um die Hinwendung zu einer freien und impulsiven, vom Denken in Elementarformen losgelösten Malerei und Kolorierung von Objekten. Ein erstes Exempel, in dem Riedel die expressive Kraft gesprayter, zum Teil auch gesprenkelter Farben in Kombination mit gesprayten Elementarformen einsetzt, findet sich z. B. in Arbeiten aus der Werkreihe “Neo-Expressive Abstractions with Points, Lines and diverse Colour Traces“ (1989). Ein anderes bildnerisches Beispiel für die primäre Fokussierung auf die sich in speziellen Farbgebilden abzeichnenden Farbspuren wie Farbsprenkel, Farbtropfen und ins Fließen geratener, sich zwischen Linie, Fleck und Farbfeld befindlicher Markierungen ist z. B. die Arbeit “Hommage an Jackson Pollock und seine Action-Paintings“ aus dem Jahr 1992. Auch in seinen Malunterlagen, die Riedel zum Schutz vor Verschmutzungen des Fußbodens und Rasens erstmals 1995 benutzt, die Riedel ohne genuines Wollen, aus sich selbst heraus entstehend, zu eigenständigen Kunstwerken oder eigenständigen Bildebenen erhebt und insbesondere seit 2015 wieder aufgreift, kommen mannigfaltige, sich in ganz eigenen Farbgebilden manifestierende Farbspuren zur bildnerischen Entfaltung; zeichnen sich auf den Malunterlagen insbesondere je nach dem was auf diesen zuvor auflag, ein- oder mehrseitig gekantete, gerasterte und schablonierte Farbspuren ab; Farbspuren, die sich mal zu einer oder mehren Seiten hartkantig und zur anderen Seite bzw. den anderen Seiten diffus und nebulös abzeichnen; Farbspuren, deren z. B. kreisrunden Raster mal hartkantig mal auch diffus, vom Sprühnebel umgeben zur Entfaltung kommen; Farbspuren, die auf als Positivschablonen fungierenden Auflagen beruhen, deren Konturen sich nach Außen diffus und Innen hartkantig abgegrenzt auf der Malunterlage abzeichnen. Weitere Exempel finden sich gerade in den letzten Jahren. Zugleich arbeitet Riedel zum Beispiel 2015 neben seinen Malunterlagen (und/oder Sprühbildproben) in manchen seiner „Sprayed Multifunctional Found Objects“ mit gesprayten Farbspuren bzw. Farbarealen; versieht Riedel zum Beispiel eine kurze Hose und ein T-Shirt mit schwarzen Sprays; versieht er z. B. dem Leben entnommene Turnschuhe von Puma mit diversen Farbarealen. Auch werden manche seiner als „Sprayed Jeweleries as Absolute Unique Artworks“ titulierten Schmuckstücke bestimmt von Farbgebilden, deren jeweilige Erscheinungsform sich zwischen Fleck und Farbfeld bewegt. Ebenso wird die 2016 entstehende Arbeit “Hommage an David Ostrowski“ (aus der Werkreihe: Simple Marks) von sich zu Farbspuren organisierenden Farbarealen getragen. Hier fokussiert sich Riedel auf extrem flüchtig aus der Hand gesprayte Farbspuren, die als Farbgebilde eine lineare bis nebulöse, auch zu Farbwolken und Farbschleiern tendierende Gestalt annehmen. Gleichfalls fokussiert sich Riedel in der kleinen Gemäldereihe “Spheric and psychedelic, nebulous and diffuse sprayed, amorphous Color Areas, between Colour Fields and Colour Traces“ (2016) auf die gestalterische und imaginäre Kraft von mit der Dose aus Hand gesprayten und bewusst nebulös und diffus gehaltenen Farbarealen. Dabei versteht Riedel manche Areale als Farbfelder, sieht er diese Areale in der Tradition von sich kontinuierlich und homogen abzeichnenden Colour Field Paintings; begreift er andere Areale hingegen in ihrer diskontinuierlichen, offenen und sich zum Teil nur mit einem Minimum an Sprayfarbe abzeichnende Gebilde als Farbspuren; bewegen sich wiederum andere in deren Grenzbereich. Formal gelingt es Riedel im extrem sensiblen Spiel mit dem Sprühnebel, im intuitiven Spiel mit Abstand und Neigung der Spraydose zum Werkträger, wie auch im feinfühligen Spiel einer extrem simplen, blitzschnellen und flüchtig aus der Hand gesprayten Geste seinen mal zu Farbfeldern und mal zu Farbspuren tendierenden Gebilden eine ganz eigene Optik zu verleihen. Auch macht Riedel in Geste und Duktus analog zu erkennbaren Pinselspuren kleinste Variationen von Geste und Duktus sichtbar; manifestiert sich in den gesprayten Farbspuren Handling, Geste und Duktus auf unmittelbarste und bedingt durch die einzigartigen Optionen von Sprays auf extrem sensible, kaum mehr zu überbietender Weise. So entstehen auf diese Weise mit den einzigartigen bildnerischen Optionen von Sprays mannigfaltigste Farbareale, die Riedel ab und an opak, vor allem aber gezielt unscharf und hauchzart, federleicht und transluzent hält; Farbspuren, die in der Anhäufung von Sprays mal zu kreis- oder ovalförmigen Gebilden, mal zu fetten strichförmigen Farbfeldern und nicht zuletzt auch zu amorph anmutenden Farbfeldern tendieren; Sprays, die sich als Farbspuren auf den jeweiligen Werkträger legen und Zeugnis seiner selbst sind. Auch in der 2016 entstehenden kleinen Werkserie „Spheric and psychedelic, nebulous and diffuse sprayed, amorphous Color Areas, between Colour Fields and Colour Traces “ führt Riedel seine „Sprayed Founds Objects“ und seine Arbeit mit gesprayten Farbspuren fort; besprüht er an sich in den Abfall gehörende Dinge, wie z. B. Plastikeimer für kleine Tomaten mit kleinen nebulösen und diffusen, von der Gestalt her amorphen, ins psychedelische weisenden Farbspuren und Farbfeldern. Nicht zuletzt ist da die Arbeit „“Gott, Schöpfer des Universums und Herr allen Seins; Gott, der Schöpfer von Raum, Zeit, Materie und Energie...“ (2016), in der sich Riedel auf die kosmische Kraft gleichfalls flüchtig, aus der Hand gesprühter, stark nebulöser und teils transluzenter Farbareale fokussiert; in der Riedel mannigfaltige zarte gestische Setzungen, u. a. zu Farbfeldern tendierende Farbwolken und Farbschleier als ganz eigene Farbgebilde zur bildnerischen Entfaltung bringt; in der sich eine weiße Gestalt hevorhebt, in de Riedel „Gott den Schöpfer“ sieht; in der sich Riedel Gott offenbart.
 
 
Diethard Riedel, Stand 2019

 


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