Die prähistorischen Anfänge (Wurzeln) der SpraykunstDie Spraykunst besitzt eine lange und gleichzeitig facettenreiche Geschichte. Ihre Anfänge bzw. Vorläufer reichen bis in die Steinzeit, bis in die prähistorische Fels- und insbesondere Höhlenmalerei, bis in die urzeitliche Parietalkunst bzw. Wandkunst, bis in die frühe Geschichte des anatomisch modernen Menschen, der zum abstrakten Denken fähig ist zurück. Die Kunst mit vor allem zerstäubten, insbesondere kleinteilig zerteilten, als Farbe dienenden Flüssigkeiten, aber auch mit in einem trockenen Zustand versprühten, zuvor pulverisierten Farbpigmenten gehört, ob nun direkt dem Mund oder mit Hilfe von mehr oder weniger - sehr - kleinen Röhrchen gesprüht, damit zu den Urformen menschlichen Ausdrucks und Kunstschaffens und zeigt die geistige und kulturelle Entwicklung unserer Vorfahren auf. So sind heute verschiedene Fels- und vor allem Höhlenmalereien, vor allem aus Westeuropa, Südamerika, Australien und Südostasien bekannt, die vom Einsatz einfachster Zerstäubungs- und Zerteilungsmethoden, vom Mund als Blasinstrument, vom Einsatz der Blasrohrtechnik, von der Verwendung einfachster Hilfsmittel wie z. B. Vogelknochenröhrchen und hohlen Pflanzenhalmen als künstlerischem Ausdrucksmittel zeugen. Dass viele Werke der Nachwelt erhalten sind, ist unter anderem dem Umstand zu verdanken, dass gerade die entdeckten Höhlenmalereien keiner Witterung ausgesetzt waren. So konnten sich abgeschirmt in den Tiefen vieler Höhlen, geschützt vor schädigenden Witterungseinflüssen - wie z. B. Sonnenlicht, Regen, Schnee oder Eis - und bei konstanten Temperaturen etliche Höhlenbilder bis zum heutigen Tag in gutem Zustand erhalten. Gilt dies in abgeschwächter bzw. ähnlicher Weise auch für im Eingangsbereich von Höhlen oder aber wie z. B. bei den Aborigines an Felsüberhängen und zur Nordseite hin angebrachten Felsbildern. Bildnerisch nutzten in der Steinzeit lebende Menschen wohl schon in einem frühen Stadium, wenn nicht schon von Beginn an zur Gestaltung ihrer, ob im Freien - wie z. B. Felsüberhängen - oder allem voran in Höhlen angebrachten Felsbildern auch und gerade die Zerstäubungs- bzw. Zerteilungstechnik. Bedienen sich die Steinzeitmenschen zunächst zerstäubter als Farben dienender Flüssigkeiten und möglicher auch pulverisierter Farbpigmente zur Abbildung der Kontur ihrer auf die Felswände aufgelegten Hände. Erkennen die Menschen schon vor vielen Jahrtausenden die ideale Eignung manueller Zerstäubungs- bzw. Zerteilungsmethoden zur relativ einfachen und soweit es die Fels- und Höhlenwände zulassen hart konturierten Abbildung ihrer an die Wand gelegten Hände. Legten Menschen eine Hand - häufig die linke Hand - auf den Felsen und sprühten diese direkt aus dem Mund oder mit Hilfe von Knochenröhrchen oder Pflanzenhalmen - wohl - mit der anderen - häufig rechten - Hand ab. Legten wohl auch andere Menschen, darunter Frauen, Jugendliche und Kinder ihre Hand auf die Felswände um gleichfalls abgebildet zu werden. Fehlen manchen auf Felswänden angebrachten Händen ein oder mehrere, wohl als Opfer dargebrachte Fingerglieder. Bildeten die Menschen nicht nur ihre Hände, sondern ab und an auch ihre Handgelenke und Unterarme als „Hand-und-Arm Schablonen“ bzw. ausgestreckte Arme auf den Felswänden ab. Widmeten sich die Ureinwohner Australiens sogenannter „dekorativer Handnegative“, die sie einmal an die Wand gesprüht im Nachhinein bemalten und verzierten. Formierten gerade die Aborigines ab und an auch ihre Hände zu unterschiedlichen Gesten und damit einhergehenden symbolischen Bedeutungen. Existieren auch einige wenige der Nachwelt erhaltene Exempel von auf Felswänden platzierten und als Fußnegative abgebildeten Füßen. Sind im Ergebnis eine Vielzahl dieser sogenannten „Handnegative“, in mannigfaltigsten Gestalten bis heute erhalten. Finden sich diese Handnegative über die Jahrtausende hinweg in nicht wenigen Felsmalereien und insbesondere in vielen Höhlenmalerein, an verschiedenen Orten der Welt. Neben diesen Handnegativen hielten Steinzeitmenschen später auch ihre Waffen auf, ob im Freien oder allem voran in Höhlen befindlichen Felswände, um auch diese insbesondere mit zerstäubten bzw. zerteilten, als Farben dienenden Flüssigkeit dort in ihrer Silhouette abzubilden und der Nachwelt zu hinterlassen. Erkennen die Menschen ein weiteres Mal die Eignung zerstäubter bzw. zerteilter Flüssigkeiten zur einfachen und nach Innen relativ scharf konturierten, den Gegenstand sichtbar machenden und nach Außen sich mehr oder weniger im Nichts verlierenden Abbildung von Auflagen. Handelt es sich aufgrund der Verwendung dieser als Positivschablonen dienenden Auflagen auch bei der Schablonentechnik um eine der ältesten künstlerischen Techniken und Ausdrucksformen der Menschheit. Nicht zuletzt sprühten die Menschen größere, an sich abstrakte, aber wohl symbolisch aufgeladene Kreise. Setzten die Menschen in der Steinzeit die Blasrohrtechnik auch dazu ein, um beispielsweise aus mehr oder weniger dicht aneinander gereihten - als kleine Kreise fungierenden Punkten gegenständliche Motive oder figurative Sequenzen auf die Höhlenwände zu sprühen. Für Riedel denkbar, aber nicht gesichert ist auch, dass die Menschen der Steinzeit gerade mit Hilfe der Blasrohrtechnik, bei einem entsprechend kurzen Abstand und entsprechend viel Farbe im Mund, in einem kürzeren oder längeren Sprühstoß auch kurze oder längere Linien gesprüht haben oder dies zumindest gestaltungspraktisch gekonnt hätten. Denkbar ist auch, dass die Steinzeitmenschen z. B. mit größeren Röhrchen Areale im Ganzen gesprüht haben bzw. dies anhand der ihnen zur Verfügung stehenden bildnerischen Möglichkeiten hätten zu können. Vermutlich war die Spraytechnik wohl auch ein Weg, um auf komplex geformten Felswänden - ob vor allem in Höhlen oder aber im Freien befindlich - mit ihren Unebenheiten, Rissen, Vorsprüngen und Vertiefungen Motive in der Kontur dennoch gut sichtbar und nicht allzu zerklüftet anzubringen. Alles in allem nahmen die Steinzeitmenschen mit ihrem Schaffen nicht nur die Schablonentechnik und das freihändige Sprayen, sondern auch Entwicklungslinien wie gesprayte Graffiti und gesprayte Murals schon viele Jahrtausende zuvor vorweg. Prähistorische ExempelDass schon die Neandertaler als unsere Verwandten Handnegative auf Höhlenwände sprühten, beweist die im heutigen Spanien gelegene Höhle Maltravieso. In ihr wurde ein in roter Farbe gesprühtes Handnegativ auf ein Alter von mehr als 64000 Jahren datiert. Erste bildnerische Zeugnisse des anatomisch modernen Menschen sind gesprühte Handnegative, die vor rund 40000 Jahren an verschiedenen Orten der Welt, in etwa zur gleichen Zeit von den Steinzeitmenschen auf Felswände angebracht wurden. In Südostasien finden sich auf der Insel Borneo, in der indonesischen Provinz Ost-Kalimantan und dort in Sangkulirang-Mangkalihat Karst-Region in 30 Kalksteinhöhlen und auf im Freien befindlichen Felswänden wie z. B. in der Tewet Höhle, Mardua Höhle, Payau Höhle und Masri Höhle und der Felswand Liang Téwét zusammen rund 1500 Handnegative. Handnegative, von denen viele auf ein Alter von 10000 Jahren datiert sind und manche bis zu 21000 Jahre alt sein sollen. Handnegative, deren Alter in einer Höhle auf zumindest 40000 Jahre datiert ist. Handnegative die möglicher Weise auch bis zu 52000 Jahre alt sein könnten. Handnegative, zwischen denen sich motivisch mitunter baum- oder wurzelartige Verbindungen befinden. Weitere Exempel aus Südostasien sind auf der Insel Sulawesi im Maros-Pangkep-Karstgebiet, gelegen im Nationalpark Bantimurung-Bulusaraungim, in vielen der 16 prähistorischen Kalksteinhölen entstanden. In diesem als „Prehistorischer Platz Leang-Leang“ bzw. „Höhlen im Maros-Pangkep Karst“ titulierten Komplex befinden sich an mehreren Orten ob nun in den Höhlen oder im Eingangsbereich zu den Höhlen eine Vielzahl gesprühter Handnegative. Das Handnegativ in der Leang Timpusen Höhle wird auf ein Alter von knapp 40.000 Jahren datiert. Viele andere Handnegative, wie im Eingangsbereich der Leang Pettakere Höhle sind aber noch nicht exakt datiert. In Europa finden sich in der Steinzeit gesprühte Handnegative allem voran in der sogenannten „frankokantabrischen Höhlenkunst“. Sind in Südfrankreich und Nordspanien in bis heute 20 entdeckten Höhlen rund 500 Handnegative der Nachwelt erhalten. Sind viele - vielleicht auch alle - an den feuchten Höhlenwänden angebrachten Handnegative, wohl durch pulverisierte Farbpigmente entstanden, die in einem trockenen Zustand über die Hand bzw. an der Hand entlang versprüht wurden. Pulverisierte Farbpigmente, die auf die nassen Felswände gesprüht auf diesen gut haften und zu Farben fusionieren. Dabei verweisen alle bisher erfolgten Datierungen der Handnegative in die früheste Periode frankokantabrischer Felsbilder. In heutigen Spanien existieren Handnegative z. B. in der Höhle El Castillo (vor mindestens 40800 Jahren) und im Höhlenkomplex Altamira (vor circa 18500 Jahren). Finden sich in Frankreich Handnegative in der Grotte Chauvet (vor circa 33000 bis 37000 Jahren und/oder vor circa 28000 bis 31000 Jahren), in der Tropfsteinhöhle Pech Merle (vor circa 16000 bis 20000 Jahren) und nicht zuletzt in der Höhle von Gargas (vor circa 25000 bis 27000 Jahren). Sind alleine in der Höhle von Gargas über 200 gesprühte Handnegative von Männern, Frauen und Kindern der Nachwelt erhalten. Fehlen auffällig vielen Handnegativen in dieser Höhle ein oder mehrere Fingerglieder. Auf der ozeanischen Insel Neuguinea, im heutigen Papua-Neuguinea bedindet sich in der Provinz Ost Sepik in der Nähe des Flusses Karawari ein 250 Höhlen und Felsüberhänge umfassender - als „Karawari-Höhlen-Areal“ titulierter - Komplex mit einer Vielzahl an prähistorischen Felsbildern, in dem auch Handnegative der Nachwelt erhalten sind, deren Alter auf bis zu 20000 Jahre datiert wird. Exempel an gesprühten Handnegativen finden sich z. B. in der Höhle und am Felsüberhang von Pundimbung und am Felsüberhang von Timblari. Auch in Nordafrika existieren Felsmalereien mit der Nachwelt hinterlassenen Handnegativen. Gemeint ist hier die Höhle der Bestien - auch Mestikawi-Foggini-Höhle oder Foggini-Höhle, bzw. Höhle Wadi Sura II genannt -, die sich in der Sahara, am Fuß des Gebirges Gilf el-Kebiran, an der Grenze des heutigen Ägypten und Libyen befindet. Auf dieser ausgehöhlten Felsformation, die rund 18 Meter breit und 9 Meter hoch ist, befinden sich über 5000 Figuren, darunter auch in einer ersten Bildebene hunderte von gesprühten Handnegativen und Fußnegativen, die mehr als 7000 Jahre alt sind und später in vielen Sequenzen mit Menschen und Bestien übermalt wurden. Ist diese Felswand das einzige Riedel bekannte Exempel für gesprühte Fußnegative. In Australien sind mehr Felsmalereien vorhanden, als auf jedem anderen Land und Erdteil der Welt. So sind an sehr vielen Orten, abertausende von Ureinwohner gesprühte Handnegative der Nachwelt erhalten. Handnegative die die - von den Europäern bezeichneten - Aborigines allem voran auf im Freien befindliche Felsen, darunter viele Felsüberhänge und mitunter auch in Höhlenwänden in mannigfaltiger und besonders kreativer Weise anbrachten. Handnegative, die für die nach neuesten Erkenntnissen seit mindestens 65000 Jahren in Australien lebenden Aborigines - als Ureinwohner - wenn auch wohl nicht von Beginn an, aber doch über viele Jahrtausende hinweg bis zur Entdeckung und Besiedelung durch die Europäer und auch noch danach fester Bestandteil ihrer Kultur sind. So existieren in einigen Kalksteinhöhlen hinterlassene Handnegative, die davon gehen einige Forscher aus, durchaus mehr als 30000, wenn nicht sogar 40000 Jahre alt sein könnten. Dabei sind gerade viele ältere in der Steinzeit entstandene Handnegative bis heute häufig - noch - nicht exakt datiert. Können diese Handnegative bis heute - noch - nicht genau datiert werden. Ist deren exakte Datierung - noch - nicht bzw. kaum in der Öffentlichkeit bekannt. Verharren die Aborigines als Ureinwohner Australiens, abgeschnitten von der Welt auch lange nach dem Ende der Steinzeit bis zur Besiedelung durch die Engländer und auch noch danach in der Steinzeit. Gehören auf Felsen und Höhlenwände hinterlassene Handnegative über viele Jahrtausende hindurch bis in die jüngere Vergangenheit als bildnerisches Ausdrucksmittel zur Kultur der Aborigines. Entwickeln die Aborigines in der Jahrtausende langen Auseinandersetzung im Umgang mit Handnegativen eine große Kreativität und Vielfalt. Entstehen Handnegative die mal die linke oder aber die rechte Hand abbilden. Handnegative, die an vielen Orten nicht nur von Männern sondern und gerade nachweislich, weil in einer Forschungsarbeit von Robert Gunn vermessen, auch von Frauen, Jugendlichen und Kindern stammen. Handnegative, die von den Aborigines ab und an nicht nur einfach als ausgebreitete Hände gesprüht wurden, sondern auch in unterschiedlichen Gesten und damit einhergehenden symbolischen Bedeutungen, abgeleitet aus ihrer Zeichensprache als eben solche fungierten. Gesprühte Handnegative, denen mitunter aber auch ein Fingerglied fehlte. Fingerglieder, die in manchen Stämmen jungen Knaben im Rahmen des Initationsritus amputiert wurden. Gesprühte Handnegative, die als sogenannte „dekorierte Handnegative“ nicht nur alleine für sich stehend angebracht wurden, sondern mitunter auch im Nachhin, ob direkt anschließend oder aber nachträglich z. B. mit für die Kunst der Aborigines typischen - angedeuteten - Mustern bemalt, dekoriert und verziert wurden. Negative, die über die Hand hinaus, mitunter auch Handgelenke und Unterarme als sogenannte „Hand-und-Arm Schablonen“ umfassten. Negative, die als ausgestreckte Arme an die Wand gelehnt und abgebildet wurden. Negative, die auch jetzt zum Teil von Kindern und Jugendlichen, von Frauen und Männern stammen. Negative, die nicht zuletzt aber auch and die Wand gepresste Füße als sogenannte Fußnegative abbilden. Eines der - relativ - exakt datierten Handnegative befindet sich auf einer Felswand in der Kimberley Region. Hier wurde das Alter eines Handnegatives, dem ein Finger fehlt auf mindestens 27000 Jahre datiert, wobei dieses Handnegativ auch möglicher Weise bis zu 40000 Jahre alt sein könnten. Am selben Ort befinden sich auch aus der selben Zeit stammende, an sich eher bis sehr seltene Fußnegative. Ein andere Exempel sind von den Aborigines gesprühte Handnegative, die in der in North Queensland gelegenen „Fern Höhle“ und an den Felsüberhängen in der Nähe unter anderem vor nachweislich rund 12000 Jahren gesprüht wurden. Weitere, vor etwa 3500 Jahren entstandene Handnegative befinden sich im australischen Carnarvon National Park und u. a. in der Cathedral Höhle. Jüngere Beispiele finden sich u. a. in der Red Hands Höhle. In ihr sind von Erwachsenen und Kindern u. a. zahlreiche Handnegative erhalten, die vor bis zu 1600 Jahren mit aus dem Mund geblasenen Farben - bestehend aus Ocker, Tierfett und Wasser - auf den Felswänden abgebildet wurden. Dass auf Felswände hinterlassenen Handnegative für die Aborigines bis in die jüngere Vergangenheit Bestandteil ihrer Kultur sind, zeigt sich am Felsmassiv Nawarla Gabarnmang, das im Südwesten von Arnhem Land liegt. So sind hier Handnegative gefunden worden, die aus den letzten Jahrhunderten stammen. Handnegative, die z. B. auf das Jahr 1845 datiert wurden. So sind z. B. im australischen Mutawintji National Park an zahlreichen Felswänden eine Vielzahl von den Aborigines gesprühter Handnegative erhalten, deren Alter auf bis zu .... datiert wird. Auch auf der schon vor etwa 40000 Jahren von Aborigines besiedelten, vom australischen Festland heute etwa 240 Kilometer entfernten - bis vor etwa 8000 Jahren mit dem Festland verbundenen - Insel Tasmanien sind an etwa zehn Orten bis heute erhaltene Handnegative zu sehen. So befinden sich z. B. auf der Felswand Nirmena Nala, gelegen im Derwent Tal mehrere Handnegative, deren Alter auf 800 bis zu 8000 Jahre geschätzt wird. Dabei vermuten Historiker, dass viele wenn nicht alle der Handnegative von Aborigines aus dem Stamm der Teen Toomele Menennye - auch bekannt als Big River people - auf dem Weg zu einem oder mehreren Stammestreffen im Derwent Tal entstanden sind. Nicht zuletzt finden sich gesprühte Handnegative auch auf dem amerikanischen Kontinent. Zu nennen ist hier die Südargentinien gelegene Cueva des las Manos (zu deutsch „Höhle der Hände“), die ihren Namen der Vielzahl an hinterlassenen Handnegativen verdankt, die aus einer Zeit von vor 9000 bis 13000 Jahren stammen. Wobei manche Handnegative anhand in der Höhle gefundener Knochenröhrchen, die als Instrument zum Sprühen der Hände benutzt wurden auf eine Alter von 9300 Jahren datiert wurden. Dass die in der Steinzeit lebenden Menschen nicht nur ihre Hände, sondern Gegenstände wie z. B. Waffen und Werkzeuge als Auflagen nutzten, um ihre Konturen mit der Sprühtechnik abzubilden, zeigt sich in einer Passage in der französischen Höhle von Lascaux, deren Alter zumindest auf circa 17000 bis 19000 Jahre (möglicher Weise auch 19000 bis 39.000 Jahre) datiert wird. Jüngeres Beispiele für die Abbildung von Waffen ist im australischen Carnarvon National Park und hier z. B. in der Cathedral Höhle zu sehen, deren Alter etwa 3500 Jahre beträgt. Neben ihren Händen benutzten die Aborigines hier auch Waffen wie Bumerangs - in verschiedenen Formen und Größen insbesondere als Wurfwaffe zur Jagd oder zum Kampf eingesetzt - und Streitäxte als Auflagen, die sie an die Felswand hielten, um deren Konturen mit zerstäubten Medien auf einfache Weise und soweit es die Wände und die Gestalt der Objekte zuliessen, nach Innen relativ hart bzw. leicht unscharf abgegrenzt und nach Außen sich im Nichts - des Sprühnebels - verlierend abzubilden. Bildeten die Aborigines wie hier zu sehen mitunter aber auch an die Wände gehaltene, ihr Überleben sichernde Fischernetze und im Alltag gebrauchte Coolamons - die u. a. als vor allem von Frauen getragene hölzerne und häufig ovalförmige Aufbewahrung und Transportbehältnisse fungierten - ab. Sind diese Arbeiten ein weiterer Beweis für den kreativen Umgang der Aborigines mit Sprays und Sprayschablonen. Denkbar und naheliegend ist auch, das die Menschen, worauf eine Sequenz in der Felsmalerei in der Badak Höhle auf Borneo hinweist auch auch Pflanzen - wie z. B. Äste oder Gräser - zur Abbildung eben dieser als Auflagen für ihre Fels- und insbesondere Höhlenmalereien verwendet haben. Dass die Menschen wohl schon in der Steinzeit auch figurative, eigens angefertigte Schablonen als Motivvorlagen verwendet haben, zeigt eine Felsmalerei in der Badak Höhle auf Borneo. Auf dieser Felswand befinden sich neben einem Pferd auch zahlreiche menschliche, in verschiedenen Posen dargestellte Abbildungen, die nicht in Lebensgröße, sondern in kleinere, teils sehr Formate transformiert wurden. Auch befindet sich auf dieser Wand z. B. ein Mensch, der einen Elefanten reitet. Motive und Szenen, die wohl mit Hilfe entsprechend gestalteter Auflagen an die Felswand gehalten und mit Hilfe zerstäubter bzw. zerteilter Farben auf der Wand abgebildet wurden. Auflagen, die vermutlich aus Stoffen wie Tierhaut geformt - möglicher Weise geritzt oder gerissen - wurden und an die Wand gehalten als sogenannte Positivschablonen zur Abbildung sogenannter Negativformen fungierten. Abbildungen, die nach Innen leer und hart konturiert und nach Außen sich im Nichts verlieren. Über diese Arbeit mit als Schablonen dienenden Auflagen hinaus, bedienten sich die in der Steinzeit lebenden Menschen zerstäubter bwz. zerteilter Farben auch auf eine ganz andere Art und Weise. So entstanden manche Motive ihrer Höhlenmalereien zuweilen ganz oder teilweise mittels gesprühter Punkte oder Kreise. Mehr oder weniger vom Sprühnebel umgebene Kreise, die sie wie z. B. in der Tropfsteinhöhle Pech Merle auf der einen Seite als geometrische - wohl als Zeichen und/oder Symbole dienende - Areale für sich stehen ließen. Mit dem Blasrohr gesprühte Punkte, die sie hin zu beispielsweise gitterförmig gesprayten - gleichfalls wohl als Zeichen und/oder Symbole dienende - Lineaturen verdichteten. Punkte, die sie andererseits aneinandergereiht zu Linien und Farbfeldern, zu gegenständlichen Abbildern bzw. figurativen Sequenzen verdichteten. Belegte Exempel dieser Art der hohen Kunst des freihändigen prähistorischen Sprühens befinden sich z. B. in der Höhle von Lascaux. In ihr sind u. a. zahlreiche, teils detailreiche, teils auch reduzierte Abbildungen von Tieren wie Auerochsen, Wildpferden und Hirschen hinterlassen. Prähistorische EntstehungsweiseDie Frage nach der genauen spraytechnischen Entstehungsart all dieser prähistorischen Kunstwerke lässt sich bis heute nicht in all ihren Facetten eindeutig beantworten. Vermutlich bedienten sich die Menschen organischer und anorganischer Substanzen. Dienten ihnen Erden und Gesteine als Rohstoff für ihre Farben. Bedienten sich die Menschen durch anorganische Mineralien bzw. Eisenoxide gefärbter Gesteine. Diente den Menschen z. B. Limonit - auch Brauneisenerz oder Brauneisenstein genannt - zur Gewinnung (gelb)brauner bis schwarzer Farbpigmente. Gewannen die Menschen auch aus dem Eisenmineral Goethit - auch als Nadeleisenerz oder Brauner Glaskopf bekannt - braune, schwarzbraune, gelbbraune, insbesondere aber (hell)gelbe Farbpigmente. Verwendeten die Menschen das Eisenmineral Hämatit - auch Blutstein, Eisenglanz, Specularit, Roteisenstein und Roteisenerz genannt - zur Generierung schwarzer, insbesondere aber roter Farbpigmente. Daneben nutzten die Menschen z. B. Ocker als Erdfarben. Darunter bräunliche, rötliche, gelbliche und orangene Ockerfarbtöne. Generierten die Menschen aus Rötel - auch „roter Ocker“, „roter Eisenocker“ und Rötelstein genannt - rötliche Farbpigmente. Nicht zuletzt gewannen die Menschen aus Holzkohle, aus Kohlen von Knochen, Horn und Zahnbein und nicht zuletzt aus Manganoxiden (Manganerzen) schwarze Farbpigmente. All diese und nicht nur diese Ausgangsmaterialien zermalmten bzw. zerrieben die Steinzeitmenschen mit Reibsteinen bzw. Mahlsteinen zu Farbpigmenten, also zu einem mehr oder weniger feinen Pulver. Fügten die Menschen diesen - wohl teils auch miteinander vermischten - pulverförmigen Farbpigmenten als Bindemittel u. a. Speichel, Wasser, zermahlenem Kalkstein, pflanzliche Harze, Urin oder Blut bei und streckten die Farben zuweilen mit Biotit, Feldspat oder gemahlenen Quarz und Calciumphosphat, gewonnen aus zerkleinerten und erhitzten Tierknochen. Im Ergebnis standen den Menschen in der Steinzeit zwar viele Farbtöne, aber nicht die gesamte Farbpalette zur Verfügung. Arbeiteten die Menschen vor allem aber nicht nur mit Brauntönen, Ockerfarbtönen und Rottönen. Setzten die Menschen doch auch gelbe, orangene und schwarze Farben ein. Angenommen wird, dass diese mit Reib- bzw. Mahlsteinen pulverisierten Farbpigmente zum einen direkt durch den Mund oder ein Röhrchen, wie z. B. einem Röhrenknochen oder Pflanzenhalmen - u. a. mit Hilfe von Schilf - auf die feuchte bzw. eigens angefeuchtete Felswand geblasen wurden und durch die Befeuchtung auf dieser gut hafteten. Zum anderen wurde dieses Pulver wohl auch in den Mund genommen, mit Speichel zerkaut und mit Flüssigkeiten wie z. B. Wasser oder Blut im Mund zu einer Flüssigkeit vermischt, um diese dünnflüssige Substanz anschließend entweder direkt mit Mund auszustoßen, also auszublasen bzw. auszupusten oder aber Hilfe eines Blasrohres zerstäubt bzw. kleinteilig zerteilt auf die Wand aufzutragen, insbesondere zu sprühen. Nachgewiesen ist auch, dass sich die Menschen zur Herstellung und/oder vorübergehenden Aufbewahrung der Farben verschiedener Gegenstände bedienten. Dass die Menschen, die eigens in der gewünschten Konsistenz, Haft- und Deckkraft zubereiteten Farben aus Gefässen, z. B. geformt aus Stein, Holz, Knochen - darunter Gelenkpfannen oder Muscheln - in den Mund nahmen oder durch das Blasrohr in den Mund saugten, um sie danach sofort zu versprühen. Dabei handelt es sich bei direkt aus dem Mund gepusteten und beschleunigten Farben, je nach dem Grad ihrer Zerteilung, also der Größe der Farbtröpfchen bzw. Farbsprenkel bestenfalls gerade noch oder nicht mehr um eine Form der prähistorischen Spraykunst. Können direkt aus dem Mund geblasene und nur sehr bzw. äußerst grob zerteilte Farben zumindest aber als Vorläufer der Spraykunst verstanden werden. Handelt es sich bei der Blasrohrtechnik, bei der die im Mund befindlichen Farben mit einem Sprühstoß beschleunigt werden, im Blasrohr verwirbeln und anschließend zerstäubt bzw. zerteilt aus dem Blasrohr auf den Wand fliegen häufig aber nicht immer um eine spraykünstlerische Urform, zumindest aber um einen Vorläufer der Spraytechnik. Gelang es wohl schon den Menschen in der Steinzeit durch den Einsatz nicht zu dünnflüssiger Farben, der richtigen Beschleunigung, dem richtigen Abstand und der Verwendung von dünnen bis extrem dünnen Röhrchen - wie z. B. Vogelknochenröhrchen oder hohlen Pflanzenhalmen - körnig zerstäubte oder aber zumindest extrem kleinteilig zerteilte, von kleinen und kleinsten Farbtropfen getragene Sprühbilder zu erzielen. Gab es wohl auch Menschen, die dünnflüssigere Farben mit dem Mund durch größere Röhrchen gepustet nur grob zerteilten bzw. sprenkelten, weshalb man bei diesen bildnerischen Ergebnissen nicht mehr von Spraykunst, dafür aber zumindest von einem Vorläufer der Spraykunst sprechen kann. Auch handelt es sich beim direkten Versprühen der pulverisierten, in einem trockenen Zustand befindlichen Farbpigmente in Riedels Verständnis um eine, wenn auch sehr spezielle Form der Spraytechnik. Handelt es sich auch hier um eine Kunstform, in der Menschen mit Farben arbeiten, die in kleinste Partikel, diesmal Farbpigmente zerstäubt werden. Entstehen diese kleinteilig zerstäubten Farbpartikel zwar nicht erst während des Sprayvorgangs bzw. durch den Sprayvorgang. Verteilen sich diese sehr leichten und leicht fliegenden, nur kurz in den Mund genommenen Pigmente aber, ob direkt mit dem Mund beschleunigt oder durch ein Blasrohr verwirbelt, auf nassen und damit gut haftenden Höhlenwänden im Sprühbild sehr bis extrem feinkörnig. Kommt diese spezielle Spraytechnik nur bei feuchten Höhlenwänden zum Einsatz. Im Ergebnis waren die Menschen schon damals in der Lage, mit Hilfe der entsprechenden Farbkonsistenz, der Wahl der geeigneten Spraymethode, der Auswahl der geeigneten Blasinstrumente und der zielgerichteten Anwendung erstaunliche spraybildnerische Ergebnisse zu erzielen. Setzten die Menschen schon in der Steinzeit zerstäubte bzw. zerteilte Farben ob aus dem Mund oder aus dem Blasrohr gepustet freihändig oder im Zusammenspiel mit Motivvorlagen zu deren Abbildung ein. Bildeten die Menschen z. B. viele ihrer Handnegative mit Hilfe der Blasrohrtechnik und/oder mit Hilfe versprühter trockener Farbpigmente erstaunlich feinkörnig, nach Innen hartkantig konturiert und nach Außen sich im Nichts des Sprühnebels verlierend ab. Entwickelten die Menschen schon in der Steinzeit ein Feingefühl dafür, mit welchem Druck, aus welchem Abstand und in welcher Neigung sie die Farben aus ihrem Mund beschleunigen mussten, um zu den gewünschten bildnerischen Ergebnissen zu gelangen. Prähistorische BeweggründeAus welchen Beweggründen heraus die Menschen neben ihrem harten täglichen Kampf ums Überleben all diese Felsbilder, insbesondere in Höhlen zeichneten und malten, lässt sich mit letzter Sicherheit nicht beantworten. Sicher ist, dass die Höhlen als Wohnorte und/oder wohl auch als Kultstätten dienten. Dass manche Höhlen leicht, andere hingegen nur schwer und manche später nicht mehr zugänglich waren. Dass manche Felsbilder an den Eingängen von Höhlen, andere hingegen Tief im Inneren angebracht wurden. Denkbar ist - für Riedel -, dass z. B. die Handnegative symbolisch u. a. als Beweis und Verewigung der eigenen Existenz, als Zeugnis der eigenen Präsenz, als Zeugnis des menschlichen Seins gesprüht wurden. Dass diese Handnegative u. a. für Riedel als eine Art Signatur und Zeichensprache fungierten. Denkbar ist zudem, dass die Handnegative auch als Zeichen und Beweis der Zusammengehörigkeit der Sippe bzw. Horde fungierten. So zeigt beispielsweise die Untersuchung acht frankokantrabrischer Höhlen, dass bis zu 75 % aller Handnegative von Frauen und manche auch Jugendlichen und Kindern stammen. Doch neben all dem spiegelt sich in diesen gesprühten Handnegativen eine von manchen Forschern als „kreative Explosion“ titulierte Freude am bildnerischen Schaffen und Motiv wieder. Wird das Bild zu einem kulturellen Element. Sind auch die gesprühten Handnegative als eine, der sehr frühen prähistorischen Ausdrucksformen ein evidenter Beweis für den „abstrakt denkenden“ Menschen. Sind auch und gerade die Handnegative zwar nicht der aller erste, aber doch einer der frühesten Indikatoren für das Entstehen bzw. die Weiterentwicklung des menschlichen Geistes. Ist es diese Fähigkeit die den Menschen von Tieren unterscheidet. Logisch und nachvollziehbar erscheint auch, dass die von Menschen gejagten, sie als Jäger und Sammler ernährenden Tiere und die Waffen um diese Tiere zu erlegen, wohl auch und gerade aufgrund ihrer überlebenswichtigen Bedeutung abgebildet wurden. Auch wurden Tiere - allerdings nicht bzw. kaum in gesprühten Fels- und insbesondere Höhlenmalereien - wegen ihrer besonderen Kräfte oder der von Ihnen ausgehenden Gefahr abgebildet. Naheliegend sind zudem spirituelle bzw. religiöse Gründe. So dienten die Höhlen den Menschen nicht nur als Wohnort, sonder auch und gerade als Kultstätten und Heiligtümer, als Orte um Riten wie Jagd- und Initationsriten abzuhalten. Dienten die Bilder als spiritistische bzw. religiöse Mittler zwischen der hiesigen und der jenseitigen Welt. Auch gehen manche Forscher davon aus, dass es sich beim Auflegen der Hände zur Abbildung von Handnegativen um eine Form der Kontaktaufnahme, um die engst mögliche Kontaktaufnahme mit der Geisterwelt handelt. Dass Handnegative, mit einem oder mehreren fehlenden Fingergliedern - vermutlich in einer Selbstverstümmelung als Opfer dargebracht - wohl Teil einer religiösen Zeremonie oder von rituellen Tänzen waren oder aber möglicher Weise als Trauerbekundung über den Tod naher Angehöriger angebracht wurden. Konnten die Menschen in diesen Bildern ihr Wissen als eine Art der Symbolsprache für andere festhalten. Sind Felswände und insbesondere Höhlenwände auch Orte um beispielsweise Jagdszenen darzustellen und Geschichten zu erzählen. Die Aborigines und ihre bildnerischen BeweggründeGanz besonders zeigt sich am Beispiel der bis in das 18. und 19. Jahrhundert hinein, abgeschottet vom Rest der Welt noch in der Steinzeit lebenden Ureinwohner Australiens - von den Europäern stark vereinfacht als Aborigines bezeichnet - welch hohen kulturellen Stellenwert z. B. Felsbilder, ob vor allem an im freien befindlichen Felsen oder auch in Höhlenwänden angebracht über viele Jahrtausende hindurch bis in die jüngere Vergangenheit hatten und im Prinzip bis heute haben. Ist die Kultur der Aborigines nach Ansicht vieler Forscher die älteste, noch heute gelebte und in Teilen mehr oder weniger gepflegte Kultur. Eine Kultur, die allerdings getragen von mehreren hundert Stämmen nicht Gänze homogen, sondern auch in den Gebräuchen und Sprachen unterschiedlich war und es bis heute auch ist. Eine Kultur, die da sie über viele Jahrtausende von Generation zu Generation weitergegeben wurde und auch noch bis heute in Teilen gelebt wird auch und gerade für die mit Hilfe zerstäubter bzw. zerteilter Farben entstandenen Fels- und Höhlenmalereien, in der Identifizierung möglicher Beweggründe sehr aufschlussreich ist. So zeigt sich in abertausenden Felsbildern welch wichtige Bedeutung dem Einsatz primitiver Zerstäubungs- bzw. Zerteilungstechniken und Schablonentechnik zukam. Zeigt sich auch am Beispiel der von den Aborigines über viele Jahrtausende hinweg abgebildeten Handnegative und der Abbildung manche Waffen und Gegenstände des täglichen Lebens die kulturelle Bedeutung von Felsbildern. Offenbart sich auch in den gesprühten Motiven eine bildnerische und/oder spirituelle und/oder religiöse, mitunter auch bzw. insbesondere rituelle Qualität. Ein dekoratives und/oder kommunikatives Element. Allem voran spiegelt sich in der bildnerischen Aneignung der Fels- und Höhlenwände das Verhältnis der Aborigines zur Natur, ihr Leben im Einklang mit der Natur und ihre Naturreligion wieder. Eigneten sich die Aborigines die ihnen anvertraute, ihnen an jedem Ort gegenwärtige Schöpfung, das in ihnen anvertraute Land, das Land an das sie Zeitlebens gebunden sind, samt der ihnen anvertrauten Felsen und Höhlen bildnerisch an. Überliesen die Aborigines gerade ihre Handnegative, als Zeugnis Ihres Seins und ihrer kulturellen Tradition ihren Nachfahren, zur Kenntnis und zum Zeugnis ihrer Vorfahren. Kannten die verschiedenen Stämme bzw. Völker der Aborigines bis zur Einwanderung der Europäer keine Schrift. Waren vor allem Fels- und zuweilen auch Höhlenmalereien ein zentrales kommunikatives Element um wichtige Informationen wie z. B. die Mythen über die Schöpfung des Landes als eine Art „Natur-Bibliotheken“ an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Vor diesem Hintergrund und über dies hinaus besassen Handnegative für die Aborigines auch weitere, teils konkrete Funktionen. Finden sich an manchen Orten nur einige wenige Handnegative, die z. B. nur von Männern oder Kindern stammen. Gibt es andere Orte an denen Männer und Frauen, Jungen und Mädchen, ob jünger oder älter als Mitglied des Clans - bzw. der Sippe oder Horde - ihre Handnegative gemeinsam hinterlassen haben. Waren gesprühte Handnegative in diesem Fall ein Zeichen der Zusammengehörigkeit der miteinander lebenden und eng miteinander verbundenen Gruppe, also des Clans als existenziell, kulturell, spirituell und religiös begründeter Gemeinschaft, des Clans als Überlebensgemeinschaft und Teil der Glaubensgemeinschaft. Haben die auf Wänden hinterlassenen Handnegative ihren tieferen Sinn. Verewigten sich kleinere Kinder mit ihren Handnegativen gewöhnlicher Weise soweit ihre Hände reichten im unteren Bereich der Wände. Durften sich in der Pubertät befindliche Jungen und Mädchen oder im heiratsfähigen Alter befindliche junge Erwachsene erst im Rahmen ihrer Initiation bzw. erst nach ihrer Initiation mit ihren gesprühten Handnegativen ein weiteres Mal auf den Wänden verewigen. Waren gesprühte Handnegative Teil des Initiationsritus. Zeugten diese gesprühten Handnegative u. a. von der sexuellen Reife und der Anerkennung in der Gruppe als vollwertiges Mitglied. Brachten - manche - Menschen im Laufe ihres Lebens weitere Handnegative auf diese Fels- oder Höhlenwände an. Spiegelte sich in der Platzierung und Ausgestaltung der Handnegative die Stellung des Einzelnen im Clan wieder. Dabei galt, je weiter oben die Hand auf der Wand platziert war und je mehr das Handgelenk und der Arm mit abgebildet wurde, desto wichtiger war die Person in der bzw. für die Gruppe. Desto höher bzw. wichtiger war ihre, durch Alter und Weisheit und/oder durch magische Kräfte begründete Stellung im Clan. Über diese Funktionen hinaus markierten die meist nicht oder nicht in Gänze, oder aber doch vereinzelt sesshaften Clans - und mit ihnen die Stämme - auch mit ihren gesprühten Handnegativen ihre Territorien, also ihre jahrtausendealten Stammesgebiete die sie auf der Nahrungssuche durchstreiften. Markierten die vor allem als Jäger und Sammler, als Normaden oder Semi-Normaden lebenden, ihren Nahrungsquellen folgenden Clans - ihnen wichtige - Orte an die sie immer wieder bzw. regelmäßig zurückkehrten. Auch besitzen gesprühte und danach eigens dekorierte - ihrer Körperkunst nachempfundene bzw. diese andeutende - Handnegative zudem einerseits eine bildnerisch dekorative Seite und sind andererseits auch Zeugnis ihrer Kultur. Fungieren andere, nicht mehr nur einfach ausgebreitete, sondern - über die Ausrichtung der Hand und die Anordnung der Finger, samt ausgestreckter, geknickter, gebogener und/oder auch eingeklappter Finger - zu Gesten geformte Handnegative als eine spezielle und transformierte Form, der von den Aborigines entwickelten Zeichensprache und damit auch als kommunikatives Element. Neben all diesen Handnegativen fungierten die mit Hilfe zerstäubter und zerteilter Farben in ihrer Silhouette abgebildeten Waffen - wie z. B. Bumerang und Streitaxt - aber auch Fischernetze und sogenannte Coolamons u. a. als ein Zeichen ihrer Lebensweise. Symbolisieren Bumerangs, die für ihr Überleben so wichtigen Jagdinstrumente. Fungieren Bumerangs und Streitäxte aber auch als Zeichen ihrer Wehrhaftigkeit. Kamen schwere und größere Bumerangs doch bei Streitigkeiten bzw. Kriegen zwischen einzelnen Stämmen als Wurf- oder Schlagwaffe zum Einsatz. Wurden kleinere und leichtere Bumerangs von den Männern als extrem schnelle Wurfwaffe z. B. bei der Jagd von weit entferntem Wallabys, Vögeln oder aber Riesenleguanen verwendet. Nicht zuletzt bildeten die in der Nähe von Flüssen, Seen oder dem Meer lebenden oder dort vorbeiziehenden Aborigines auch Fischernetze, die ihr Überleben - mit - sicherten auf so manchen Wänden ab. Finden sich an manchen Wänden auch die Silhouetten in der Gestalt häufig ovalförmiger Coolamons, die im Leben der Aborigines eine zentrale Rolle spielen. Handelt es sich doch bei dem Coolamons um zumeist von Frauen getragene hölzerne Behältnisse, in denen beispielsweise Wasser und Nahrungsmittel wie Früchte, Nüsse und Getreide als täglicher Vorrat aufbewahrt und transportiert wurden. Behältnisse, in den aber auch Lebensmittel ausgehölt und geschält wurden. Gegenstände, die auch zum Graben und zum Transport schwerer Lasten, dann auf dem Kopf getragen verwendet wurden. Abschließende WorteAbschließend sei zunächst darauf hingewiesen, dass in der Fachwelt immer wieder und undifferenziert von durch den Mund oder durch ein Röhrchen gesprühten Farben gesprochen wird, obwohl diese Farben nicht in jedem Fall körnig zerstäubt bzw. - extrem - kleinteilig zerteilt wurden und deshalb auch nicht generell von prähistorischen Formen der Sprühkunst gesprochen werden kann. Dennoch handelt es sich bei den grob bis extrem groß zerteilt aufgebrachten Farben zumindest um Vorläufer der Spraykunst. Diese unzutreffende Pauschalierung kann am umgangssprachlichen Gebrauch des Worten „sprühen“ und/oder an der mangelnden Kenntnis der Definition der Spraykunst liegen. Hier das entsprechende spraytechnische Bewusstsein zu schärfen, war und ist eines der Anliegen von Riedel und seiner Analyse der prähistorischen, auf dem Einsatz zerstäubter bzw. zerteilter Farben basierenden Fels- und insbesondere Höhlenmalerei. Zudem sei erwähnt, dass zwar über die zum Einsatz kommenden Instrumente und Techniken heute vieles bekannt ist, dass es aber auch für Riedel gerade was die detaillierte spray- bzw. zerteilungstechnische Machart der Felsbilder und einzelnen Wandmotive angeht, in der Natur der Sache liegend keine absolute Gewissheit, sondern nur Indizien gibt. Durch Funde gesichert bzw. naheliegend ist, dass z. B. Knochenröhrchen als Blasrohrinstrumente genutzt wurden. Gibt es mehrere Funde von Knochenröhrchen mit Farbresten - wie z. B. in der französischen Les Cottés Höhle und der in Argentinien gelegenen Cueva des las Manos (zu deutsch „Höhle der Hände“) -, die wohl zum Sprühen verwendet wurden. Liegt dies zumindest nahe, da in den Röhrchen rote Farbpigmente aus Ocker gefunden wurden. Auch und gerade aber lässt das Erscheinungsbild vieler insbesondere in Höhlen angebrachter Felsmalereien auf eine Verwendung der Spray- und/oder Zerteilungstechnik schließen. Lassen sich über die genaue Gestaltungsweise der einzelnen Felsbilder und gegebenenfalls einzelnen Motive allerdings häufig nur mehr oder weniger abgesicherte, auch und gerade auf der Bildanalyse basierende Vermutungen anstellen. Vermutungen, die auch Riedel anhand seines spraytechnischen Wissens und logischer Schlussfolgerungen anstellt. Vermutungen, die aber für Riedel nicht in Stein gemeißelt sind. Finden und fanden bis heute von manchen Forschern gezielte Selbstexperimente statt, um der wahren Machart näher zu kommen. Hat auch Riedel mit aus dem Mund geblasenen Farben und der Blasrohtechnik experimentiert. Auch bittet Riedel bestehende Ungenauigkeiten und eventuelle Fehler zu entschuldigen. Handelt es sich doch bei der mit zerstäubten bzw. zerteilten Medien entstandenen Fels- und insbesondere Höhlenmalerei um ein komplexes und vielschichtiges Thema, dessen umfassende und exakte Aufarbeitung aufgrund des notweniger Zeitaufwands jeden Rahmen sprengen würde. Handelt es sich um ein kunsthistorisches Thema, das zwar in der Breite, aber nicht in der spraykünstlerischen Tiefe, mit all ihren bedeutsamen Aspekten und Facetten ausführlich erforscht ist. Ein kunsthistorisches Thema, in dem aus Riedels Sicht noch Forschungsbedarf und sei es nur das Zusammentragen von Forschungsergebnissen aus den Höhlen dieser Welt besteht. Im Ergebnis kann Riedel nur einen ersten groben, die verschiedenen Aspekte anreissenden Einblick geben. Erhebt Riedel in seinen Ausführungen keinen Anspruch auf die absolute Wahrheit. Und doch versucht Riedel auch hier der kunsthistorischen Wahrheit möglichst nahe zu kommen.
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